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Work-Life-Balance & Selbstbestimmung

Was Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit damit zu tun haben,

wie gut Arbeit und Leben zusammenpassen

 

Ein wirtschaftspsychologisches Forschungsprojekt mit Beschäftigten ab 50 Jahren.

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Work-Life-Balance ist mehr als die Frage, wie viele Stunden wir arbeiten.

Ob sich Beruf und Privatleben gut miteinander vereinbaren lassen, hängt nicht nur von Arbeitszeit, Homeoffice oder freien Tagen ab.

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Auch die Frage, wie wir unsere Arbeit erleben, spielt eine Rolle. Können wir mitentscheiden? Fühlen wir uns den Anforderungen gewachsen? Erleben wir Zugehörigkeit und Unterstützung?

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Im Rahmen eines wirtschaftspsychologischen Gruppenprojekts an der Hochschule Bielefeld haben wir untersucht, welche Faktoren mit der wahrgenommenen Work-Life-Balance von Beschäftigten ab 50 Jahren zusammenhängen.

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Dabei wurde Work-Life-Balance aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Unter anderem ging es um Erholung, die Grenzen zwischen Beruf und Privatleben, organisationale Unterstützung, Arbeitsanforderungen und Ressourcen sowie psychologische Grundbedürfnisse.

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Warum Beschäftigte ab 50 Jahren?

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Work-Life-Balance ist selbstverständlich nicht erst ab 50 relevant.

Gerade deshalb haben wir diese Altersgruppe bewusst genauer betrachtet. Ein großer Teil der bisherigen Forschung arbeitet mit jüngeren oder altersgemischten Stichproben. Gleichzeitig können sich berufliche und private Anforderungen im Laufe des Erwerbslebens verändern. Gesundheit, Sorgeverantwortung, andere Prioritäten oder der Wunsch nach mehr Gestaltungsspielraum können dabei eine größere Rolle spielen. 

Unsere konkreten Ergebnisse beziehen sich deshalb auf Beschäftigte ab 50 Jahren. Die psychologischen Grundlagen dahinter sind jedoch nicht auf diese Altersgruppe beschränkt.

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Mein Schwerpunkt: die Selbstbestimmungstheorie

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Mein eigener Forschungsschwerpunkt innerhalb des Projekts lag auf der Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan.

​Sie beschreibt drei grundlegende psychologische Bedürfnisse, die Menschen über die gesamte Lebensspanne begleiten.

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Autonomie bedeutet, das eigene Handeln mitgestalten und Entscheidungen im Einklang mit den eigenen Werten treffen zu können.

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Kompetenz beschreibt das Gefühl, Anforderungen bewältigen, Fähigkeiten einsetzen und etwas bewirken zu können.

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Soziale Eingebundenheit bedeutet, dazuzugehören, sich verbunden zu fühlen und tragfähige Beziehungen zu erleben.

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Diese Bedürfnisse gelten innerhalb der Selbstbestimmungstheorie als universell. Ihre Erfüllung wird unter anderem mit Wohlbefinden, Motivation und persönlicher Entwicklung in Verbindung gebracht.

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Was hat das mit Work-Life-Balance zu tun?

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Wir wollten wissen, ob Menschen ihre Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben günstiger bewerten, wenn diese psychologischen Bedürfnisse im Arbeitskontext stärker erfüllt sind.

Tatsächlich zeigte sich in unserer Untersuchung, dass alle drei Grundbedürfnisse positiv mit der wahrgenommenen Work-Life-Balance zusammenhingen.

Am deutlichsten war dieser Zusammenhang bei der Autonomie. Der Zusammenhang zwischen Autonomie und Work-Life-Balance war in unserer Untersuchung signifikant stärker als bei Kompetenz und sozialer Eingebundenheit.

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Besonders spannend: Autonomie

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Dieser Befund hat mich besonders beschäftigt.

Autonomie bedeutet dabei nicht, möglichst unabhängig von anderen zu sein.

Im Arbeitsleben kann sie bedeuten, Handlungsspielräume zu haben, Einfluss auf Abläufe nehmen zu können, Arbeit teilweise selbst zu organisieren oder Möglichkeiten zu haben, berufliche Anforderungen an die eigene Lebenssituation anzupassen.

Gerade wenn verschiedene Lebensbereiche gleichzeitig viel fordern, können solche Gestaltungsmöglichkeiten besonders wertvoll sein. In unserem Projekt zeigte sich bei den Beschäftigten ab 50 Jahren genau für dieses Autonomieerleben der stärkste Zusammenhang mit der wahrgenommenen Work-Life-Balance. 

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Vereinbarkeit ist deshalb nicht für jeden Menschen dasselbe

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Zwei Menschen können ähnliche Arbeitszeiten haben und ihre Work-Life-Balance trotzdem völlig unterschiedlich erleben.

Denn entscheidend ist nicht ausschließlich, wie Arbeit von außen aussieht, sondern auch, ob sie zu den eigenen Bedürfnissen, Werten, Verantwortlichkeiten und Lebensbedingungen passt.

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Und was bedeutet das für Menschen unter 50?

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Hier ist mir die wissenschaftliche Unterscheidung wichtig.

Unsere eigenen Ergebnisse kann ich nicht einfach auf alle Altersgruppen übertragen, denn untersucht wurden Beschäftigte ab 50 Jahren.

Die Selbstbestimmungstheorie selbst ist jedoch wesentlich breiter angelegt. Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit werden darin als grundlegende menschliche Bedürfnisse verstanden, die nicht erst in einer bestimmten Lebensphase entstehen. ......Projektbericht_Work-Life-…

Deshalb finde ich die dahinterliegende Frage unabhängig vom Alter interessant:

Passen die Bedingungen, unter denen ich lebe und arbeite, eigentlich zu dem, was ich psychologisch brauche?

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Was ich aus dieser Forschung für meine Arbeit mitnehme​

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Wenn jemand sagt:

„Meine Work-Life-Balance funktioniert nicht.“

interessiert mich deshalb nicht nur, wie viele Stunden gearbeitet werden und wie viel Freizeit übrig bleibt.

Ich schaue auch darauf, wie viel Gestaltungsspielraum vorhanden ist, ob die Anforderungen bewältigbar erscheinen, wo Unterstützung erlebt wird und welche beruflichen und privaten Anforderungen gerade gleichzeitig zusammenkommen.

Denn manchmal braucht es nicht einfach mehr Freizeit.

Manchmal braucht es mehr Selbstbestimmung.

Manchmal Entlastung, Unterstützung oder andere Grenzen.

Und manchmal braucht es zunächst ein besseres Verständnis dafür, warum sich die eigene Situation trotz scheinbar guter Rahmenbedingungen nicht stimmig anfühlt.

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Wissenschaftlich eingeordnet​

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Bei unseren Ergebnissen handelt es sich um Zusammenhänge.

Sie zeigen beispielsweise, dass höheres Autonomieerleben mit einer günstigeren wahrgenommenen Work-Life-Balance einherging. Sie beweisen jedoch nicht, dass mehr Autonomie automatisch eine bessere Work-Life-Balance verursacht.

Für Aussagen über Ursache und Wirkung wären weiterführende Untersuchungen notwendig. Auch andere Faktoren wie Gesundheit, Pflegeverantwortung oder Arbeitszeitmodelle könnten eine Rolle spielen. 

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Du möchtest dein eigenes Thema genauer anschauen?

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Vielleicht geht es bei dir um Belastung im Beruf, Vereinbarkeit, fehlende Erholung oder die Frage, was sich konkret verändern lässt.

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